Dülmen. „Der ist aber brav“, lobt Erika Bredenfeld ihren Besuch. Seit Anfang Dezember wohnt die Essenerin in einem Zimmer im Hospiz Anna Katharina und hofft, „dass ich mich hier noch einige Zeit hinschwächeln kann.“ Ihre Krebserkrankung möchte die 86-Jährige, deren Tochter in Haltern wohnt, nicht mehr medizinisch therapieren lassen: „Ich habe mein Leben gelebt.“
An ihrem Besuch hat sie helle Freude: „Hanuta“, die vierjährige Labrador-Dame, lässt sich nur allzu gern streicheln und ist voller Inbrunst damit beschäftigt, den bunten Teppich aus Aberdutzenden Stoffstreifen nach Leckerchen abzusuchen. „Labradore sind immer für was zu fressen zu haben“, schmunzelt Ann-Christin Schymonick, die mit „Hanuta“ zu Erika Bredenfeld ins Zimmer gekommen ist. Seit vier Jahren arbeitet die verheiratete Mutter von zwei Kindern im Alter von sechs und acht Jahren aus Gescher-Hochmoor als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Nachtdienst im Hospiz Anna Katharina in Dülmen.
Ein Wort ergab im Hospiz das andere – und dann erfolgte die Ausbildung von „Hanuta“ zum Therapiebegleithund und die Qualifikation von Ann-Christin Schymonick zur Therapiebegleithundeführerin. „Man muss unter anderem gezielt und genau erkennen, wenn eine Situation für den Hund stressig ist – die Signale des Hundes muss man richtig deuten“, erklärt die 35-Jährige.
Die Kosten für die Therapiebegleithunde-Ausbildung wurden aus Spenden ans Hospiz getragen, und seit einem Jahr ist Ann-Christin Schymonick durchweg jede zweite Woche mit „Hanuta“ im Hospiz im Einsatz – manchmal auch häufiger. Auch die Aufwandsentschädigung dafür wird aus Spenden fürs Hospiz bestritten.
„So ein Besuch von ,Hanuta‘ ist aktivierend für die Gäste hier und kann Menschen auch öffnen – geistig und seelisch. Mit einem Mal weitet sich das Herz“, so Ann-Christin Schymonick. „So ein Hund ist einfach oft auch ein Türöffner für Gespräche. Da reicht die bloße Anwesenheit des Hundes.“ Wichtige Hilfe sind auch die Leckerlis, die „Hanuta“ aus Stoffstreifenteppichen oder Stoffstreifenknuddel herausholen darf. Gäste, die das möchten, können zudem Leckerlis auch mit Klick-Bällchenwerfern oder mit einer Kunststoff-Futterschaufel verabreichen.
Bei Gästen, die selber Erfahrung als Hundehalter hatten, setzt der Besuch von „Hanuta“ oft auch Erinnerungen an eigene Vierbeiner frei – so wie bei Erika Bredenfeld: „Wir hatten früher einen Hund, den wir unserer Tochter zum 18. Geburtstag geschenkt hatten. Als wir den nicht mehr hatten, bekamen wir einen Hund, der an der Trabrennbahn ausgesetzt worden war. Der hat nie bei uns irgendwie etwas zu fressen geklaut und hat immer nur das gefressen, was wir ihm gegeben haben. Ausgesetzt zu werden war für ihn wohl einfach nur traumatisch gewesen.“
Von irgendwelchen traumatischen Erfahrungen scheint „Hanuta“ meilenweit weg zu sein. Sie ist einfach nur super erzogen und höchst aufmerksam und zurückhaltend – ein Hund, den man einfach ins Herz schließen muss.
Das tun viele Gäste im Hospiz dann auch – sogar auch Gäste, die aus der eigenen Verwandtschaft oder dem eigenen Freundeskreis Besuch mit Vierbeinern erhalten. „Solange die Zugehörigen die Hunde selber versorgen, können unsere Gäste gerne eigene Hunde mitbringen“, sagt Hospizleiterin Rabea Brake, die oft auch ihren eigenen Hund Leo mit zur Arbeit im Hospiz Anna Katharina mitbringt.

