Dülmen. Nach jahrelangem Stillstand gibt es für die Bahnhofsbrücke in Dülmen erstmals wieder einen konkreten Zeitplan: Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen dem Dernekamp und dem Bahnhofsvorplatz soll im März 2027 eingehoben werden. Das teilten Bürgermeister Carsten Hövekamp, der Erste Beigeordnete Christoph Noelke und Stadtbaurat Markus Mönter am Mittwoch bei einem Mediengespräch im einsA mit.
Die Stadt sprach von einem „realistischen Zieltermin“, machte zugleich aber deutlich, dass bis dahin noch umfangreiche Nacharbeiten und Prüfungen erforderlich seien, die zeitnah abgeschlossen werden sollen. Grundlage dafür ist das inzwischen vorliegende Gutachten aus dem laufenden selbstständigen Beweisverfahren vor dem Landgericht Münster.
Nach Angaben der Verwaltung bestätigte das Gutachten im August 2025 die seit Jahren bekannten Auffälligkeiten an Schweißnähten und beim Korrosionsschutz der Brücke. Gleichzeitig sehen die Sachverständigen grundsätzlich die Möglichkeit, die Konstruktion nach entsprechenden Nacharbeiten und zusätzlichen Prüfnachweisen doch noch einzuhängen.
Bürgermeister Carsten Hövekamp kommentierte die Nachricht, dass die Brücke grundsätzlich weiter genutzt werden kann, mit einem knappen „Halleluja“.
„Wir wollen das Projekt endlich zu einem Abschluss bringen“, sagte Stadtbaurat Markus Mönter. Die Stadt sehe weiterhin die verantwortliche Arbeitsgemeinschaft in der Pflicht, die notwendigen Nacharbeiten umzusetzen.
Vom Vorzeigeprojekt zur Dauerbaustelle
Dabei hatte im Herbst 2021 zunächst noch vieles nach Plan ausgesehen. Im September zeigte sich Markus Mönter im Wirtschaftsförderungsausschuss optimistisch, dass die Brücke rechtzeitig zur geplanten Sperrpause der Deutschen Bahn Anfang November eingehoben werden könne. Der große Kran sei bestellt, die Arbeiten lägen im Zeitplan und auch an der Qualität gebe es keine Zweifel, erklärte Mönter damals.
Doch nur wenige Wochen später folgte die Kehrtwende: Der für den 7. November 2021 geplante Einhub platzte kurzfristig. Nach Angaben der Stadt hatte die beauftragte Arbeitsgemeinschaft Echterhoff/Rohlfing mehrere zwingend notwendige Voraussetzungen nicht erfüllt. Unter anderem fehlten Unterlagen für die Kranaufstellung und Sicherheitspläne für den Einhub. Zusätzlich war der benötigte Großkran bereits vorab abbestellt worden.
Die Stadt reagierte schließlich mit der Kündigung des Vertrags gegenüber der Arbeitsgemeinschaft. Gleichzeitig begann die Suche nach neuen Lösungen und einer weiteren Sperrpause bei der Deutschen Bahn.
Allerdings hatten die Probleme bereits zuvor begonnen. Wie die Stadt jetzt noch einmal zusammenfasste, waren schon während der Fertigung der Brückenteile in den Jahren 2020 und 2021 fehlende Unterlagen und Zertifizierungen beanstandet worden. Die Stadt untersagte daraufhin zunächst den Transport der Bauteile nach Dülmen.
Gutachten, Mängel und Rechtsstreit
Anfang 2022 folgte dann der nächste Rückschlag: Untersuchungen der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt ergaben Hinweise auf mögliche Fehler an Schweißnähten und beim Korrosionsschutz. Die Stadt stoppte daraufhin den Einhub endgültig und leitete ein selbstständiges Beweisverfahren vor dem Landgericht Münster ein.
Das gerichtliche Verfahren zog sich über Jahre hin. Ein erstes Gutachten bestätigte zwar die Verdachtspunkte, beantwortete jedoch nicht die entscheidende Frage, ob die Brücke überhaupt eingehoben werden darf. Zwischenzeitlich wurde deshalb sogar ein weiterer Gutachter eingeschaltet.
Ein ergänzendes Gutachten aus dem vergangenen Jahr kam schließlich zu dem Ergebnis, dass die Brücke zwar Auffälligkeiten an Schweißnähten und Korrosionsschutz aufweist, nach entsprechenden Nacharbeiten und zusätzlichen Nachweisen grundsätzlich aber weiter genutzt werden könnte.
Nach Angaben der Stadt erhielt der Hersteller daraufhin erneut Gelegenheit, die erforderlichen Nachweise vorzulegen und an einer Lösung mitzuwirken. Nachdem gesetzte Fristen erneut verstrichen waren, beauftragte die Stadt schließlich ein Ingenieurbüro für Baustatik und Tragwerksplanung.
Dieses Fachbüro habe inzwischen den vom gerichtlichen Gutachter beschriebenen Lösungsweg nachvollzogen und ein Konzept für die erforderlichen Nacharbeiten erstellt. Zudem sei bestätigt worden, dass die festgestellten Auffälligkeiten die Tragfähigkeit der Brücke nicht beeinträchtigen.
Für die anstehenden Arbeiten soll im kommenden Winter ein großes Zelt um die Brücke errichtet werden. Hintergrund ist, dass für die Lackierarbeiten im Bereich des Korrosionsschutzes bestimmte Temperaturen eingehalten werden müssen.
Die Stadt kündigte zudem an, bei den entstehenden Mehrkosten zunächst in Vorkasse zu gehen. Parallel wolle man weiterhin prüfen, inwieweit Ansprüche gegenüber den Verantwortlichen geltend gemacht werden können.
1000-Tonnen-Kran notwendig
Für den Einhub der Brücke wird nach Angaben der Stadt ein Spezialkran mit einer Traglast von 1000 Tonnen benötigt. Solche Geräte kommen üblicherweise vor allem beim Aufbau von Windkraftanlagen zum Einsatz.
Die Deutsche Bahn hat sich den Termin für die notwendige Sperrpause bereits vorgemerkt. Ob der Einhubtermin tatsächlich gehalten werden kann, hängt nach Angaben der Stadt nun vor allem davon ab, dass die vorgesehenen Nacharbeiten und Prüfungen planmäßig abgeschlossen werden.
Fotos: Menninghaus (klein), El-Saqqa (KI-generiert)

Chronologie der Bahnhofsbrücke
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2020/2021 | Fertigung der Brückenteile |
| September 2021 | Stadt zeigt sich optimistisch für Einhub Anfang November |
| November 2021 | Geplanter Einhub scheitert, Stadt kündigt Vertrag mit der ARGE Echterhoff/Rohlfing |
| Anfang 2022 | SLV entdeckt Auffälligkeiten an Schweißnähten und Korrosionsschutz |
| März 2022 | Stadt beantragt selbstständiges Beweisverfahren |
| November 2023 | Erstes gerichtliches Gutachten bestätigt Verdachtspunkte |
| Februar 2024 | Stahlbauer Rohlfing meldet Insolvenz an |
| Juli 2024 | Bekannt wird, dass ein dritter Gutachter eingeschaltet wurde |
| August 2025 | Ergänzendes Gutachten sieht Nachbesserungen und möglichen Einhub grundsätzlich als möglich an |
| 2026 | Ingenieurbüro erstellt Konzept für Nacharbeiten |
| März 2027 | Geplanter Einhub der Bahnhofsbrücke |

