Beim Dülmen Beach wird in diesem Jahr nicht nur wieder Urlaubsstimmung in die Innenstadt gebracht, sondern auch sportlich ein echtes Highlight geboten: Am Wochenende 27. und 28. Juni macht die Urlaubsguru BeachTour Station in Dülmen, beim A-Cup – dem ranghöchsten Turnier in NRW – schlagen zahlreiche Profi-Teams auf und bringen Spitzen-Beachvolleyball mitten in die Stadt. Damit rückt Dülmen in den Fokus der Szene und knüpft an die erfolgreiche Premiere des Stadtstrands im vergangenen Jahr an. Organisiert wird das Turnier gemeinsam vom Westdeutschen Volleyball-Verband, der DJK Adler Buldern und Dülmen Marketing. Gespielt wird auf mehreren Feldern, im Mittelpunkt steht der Center Court auf dem Marktplatz. Auch in Buldern werden Spiele ausgetragen, sodass die gesamte Region eingebunden ist. Dass solche Veranstaltungen in der Region möglich sind, hat auch mit engagierten Machern im Hintergrund zu tun. Einer von ihnen ist Jürgen Aigner aus Buldern. Als Präsident des USC Münster hat er den Bundesligisten aus einer schweren Krise geführt, neu aufgestellt und sportlich wieder nach vorne gebracht – und setzt sich zugleich dafür ein, den Volleyball auch über Münster hinaus sichtbar zu machen.
Wie Aigner den USC stabilisiert hat, welche Herausforderungen der Profisport mit sich bringt und warum ihm Events wie der Dülmen Beach besonders am Herzen liegen, folgt hier …
Aus den Schulden hin zu emotionalem Volleyball
Von Tim Nieswandt
Buldern/Münster. Wenn man Jürgen Aigner in diesen Tagen erreichen möchte, braucht man viel Geduld. Kaderplanung, Vertragsgespräche, Lizenzierungsunterlagen, Länderspiele – beim Präsidenten des USC Münster laufen derzeit alle Fäden zusammen. „Vom Arbeitspensum ist das mindestens eine Vollzeitstelle“, sagt der 62-Jährige und lächelt dabei, als wäre genau das der Reiz an der Aufgabe. Denn langweilig wird es für Aigner nie. „Es gibt eigentlich das ganze Jahr immer etwas zu tun – es wird jedenfalls nie langweilig.“
Gerade zum Saisonende verdichtet sich die Arbeit. Während die Mannschaft bereits in der Sommerpause steckt, laufen im Hintergrund bereits die Planungen für die kommende Spielzeit. Verträge müssen verhandelt, Kader zusammengestellt, Finanzen gesichert werden.
Das Führungsteam des USC ist dabei überschaubar: Präsident, Sportdirektor, Vorstand sowie wenige Mitarbeitende in der Geschäftsstelle. Dazu kommen Trainer und Athletinnen. Aigner selbst trägt dabei eine zentrale Verantwortung – insbesondere für Verträge, Finanzen und die wirtschaftliche Stabilität.
Neben dem Tagesgeschäft stehen weitere Großprojekte an. „Mitte Mai organisieren wir zwei Länderspiele am 16. und 17. Mai“, verrät Der USC-Präsident. Anschließend folgt die aufwendige Lizenzierung für die Bundesliga und dann steht im September bereits der Jahresabschluss vor der Tür.
Privat ist Jürgen Aigner seit über 30 Jahren in Buldern zuhause. Aufgewachsen ist er in Dülmen, ursprünglich stammt er jedoch aus Bayern. Als selbstständiger Bauingenieur hat er sich über Jahrzehnte ein berufliches Standbein aufgebaut – inzwischen tritt er jedoch kürzer, um mehr Zeit für „seinen“ Verein zu haben. Seine Flexibilität kommt ihm dabei zugute: Als Lediger kann er seine Zeit frei einteilen und vollständig in seine Leidenschaft investieren – den Volleyball.
Aigners Weg beim USC Münster ist außergewöhnlich – und gleichzeitig konsequent. Seit rund 30 Jahren ist er Teil des Vereins und hat nahezu jede Rolle ausgefüllt: Übungsleiter, Fanclubbeauftragter, Mitarbeit in der Geschäftsstelle. „Mir fehlte quasi nur noch die Position des Präsidenten“, sagt er augenzwinkernd. Dabei begann alles eher zufällig: Erst mit 18 oder 19 Jahren kam er nach dem Abitur zum Volleyball, gründete mit Freunden eine Hobbygruppe und besuchte Spiele des USC. Was zunächst skeptisch beäugt wurde, entwickelte schnell eine Eigendynamik. Die Gruppe schloss sich dem Verein an – und Aigner übernahm Schritt für Schritt mehr Verantwortung.
Als Aigner 2023 zum Präsidenten gewählt wurde, stand der USC Münster vor dem Abgrund. Rund 570.000 Euro Schulden, defizitäre Strukturen und eine drohende Insolvenz prägten die Situation. „Eigentlich war es verrückt zu der Zeit den Vorsitz zu übernehmen, aber einer musste es ja schließlich machen“, erinnert er sich. Gemeinsam mit dem Verein stellte er die Weichen neu. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden dabei tiefgreifende Maßnahmen beschlossen – darunter eine deutliche Reduzierung des Mannschaftsetats. Die Einschnitte hatten einen unerwartet positiven Effekt. „Damit haben wir tatsächlich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, erklärt Aigner. „Wir haben dadurch nicht nur effektiv Geld gespart, sondern auch mitreißenderen Volleyball gespielt.“ Eine junge, hungrige Mannschaft trat an, spielte leidenschaftlich und begeisterte das Publikum. Die Folge: steigende Zuschauerzahlen, zurückkehrende Sponsoren und neue Unterstützer. Die Entwicklung gipfelte in einem sportlichen Highlight: dem Einzug ins Pokalfinale – erstmals seit 19 Jahren. „In Mannheim vor 12.000 Menschen zu spielen, das war ein absolutes Highlight für mich.“ Trotz seiner Rolle als Präsident sieht Aigner sich als alles andere als den alleinigen Architekten des Erfolgs. „Wir haben wirklich sehr viele engagierte Leute im Verein, ohne die das niemals möglich gewesen wäre“, betont er. „Ich war nur derjenige, der eine Richtung vorgegeben hat – die Arbeit hat jeder Einzelne im Verein geleistet.“ Dadurch steht der USC heute finanziell deutlich stabiler da – und könnte bereits im kommenden Jahr schuldenfrei sein.
Neben seiner Tätigkeit beim USC Münster ist Aigner auch Präsident des Volleyball Club Olympia Münster und betreut den Bundesstützpunkt. Hier sieht er einen entscheidenden Vorteil: „Dort können wir immer wieder junge talentierte Spielerinnen für den USC gewinnen, die perfekt in unsere Mannschaftsphilosophie passen.“ Sein großes Netzwerk im Sport hilft dabei, Strukturen zu stärken und Perspektiven zu schaffen – sowohl für den Leistungssport als auch für den Nachwuchs.
Dabei geht es für Aigner beim Volleyball um mehr als nur das Spiel an sich. Emotionen, Nähe und Begeisterung stehen im Mittelpunkt. „Es ist schön zu sehen, wenn junge Zuschauer nach Autogrammen der Spielerinnen fragen.“ Gerade die Verbindung zur Region liegt ihm am Herzen. Veranstaltungen im Kreis Coesfeld so wie das Spiel des USC gegen Paris in Buldern sollen die Begeisterung für den Sport weitertragen. „Es ist wichtig, den Sport allgemein zu bewerben“, sagt er. „Und darum kann ich nur jeden einladen, sich einmal ein Spiel in Münster anzuschauen und sich mitreißen zu lassen.“
Trotz aller positiven Entwicklungen bleibt der Profisport eine Herausforderung. Die Anforderungen und Kosten in der Bundesliga steigen stetig. „Das ist schon fast Luxus, den man sich leisten muss“, sagt Aigner mit Blick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Jürgen Aigner hat den USC Münster durch eine seiner schwierigsten Phasen geführt – und ihm eine neue Perspektive gegeben. Mit klarer Linie, regionaler Verbundenheit und viel Leidenschaft arbeitet er daran, den Volleyball in Münster und im Kreis Coesfeld weiter zu stärken. Oder, wie er es selbst sagt: „Wir freuen uns auch mit weiteren Aktionen hier in Dülmen Freude am Volleyball zu generieren – etwa beim großen Turnier Ende Juni beim Dülmen Beach.“
Volleyballprofis zu Gast in Dülmen
Nicht nur der USC Münster wird den Dülmen Beach nutzen, um Werbung für Volleyball zu machen – auch Profis anderer Vereine werden insbesondere am Wochenende 27. und 28. Juni nach Dülmen kommen: Die Urlaubsguru BeachTour macht am besagten Wochenende Station beim Dülmen Beach. Beim A-Cup, dem ranghöchsten Turnier in NRW, treten jeweils 12 Damen- und Herrenteams gegeneinander an. Gespielt wird auf drei Feldern, der Center Court auf dem Marktplatz bildet das sportliche Zentrum. Ein Rahmenprogramm mit Live-Musik sorgt für Sommerstimmung. Die Finalspiele beginnen am Sonntag ab den Halbfinals, die Siegerehrung folgt am Abend. Auch in Buldern werden an den Tagen Spiele ausgetragen. Organisiert wird das Turnier gemeinsam vom Westdeutschen Volleyball-Verband, von der DJK Adler Buldern und von Dülmen Marketing.

