Dülmen. Als Max Lennartz vier Jahre alt war, bekam er von seiner Patentante ein Paar Fußballschuhe geschenkt – heute kickt er für den FC Schalke 04. Seit 2022 spielt der heute 17-Jährige aus Dülmen in der renommierten Knappenschmiede des FC Schalke 04 und hat frisch den Sprung in die U19 des Traditionsvereins geschafft.
„Eigentlich fing alles mit diesen Fußballschuhen an“, erzählt Max und lacht. Seitdem hat ihn der Fußball nicht mehr losgelassen. Seine ersten Schritte auf dem Platz machte der Dülmener bei der TSG Dülmen. Dort spielte er bis zur D-Jugend, bevor er für ein Jahr zu GW Nottuln wechselte. Parallel gehörte er bereits dem Stützpunkt an und spielte für die Westfalenauswahl. Der entscheidende Moment sollte dann während eines Bezirksligaspiels gegen Preußen Münster kommen. „Nach dem Spiel wurde ich von Schalke angesprochen und zum Probetraining eingeladen“, erinnert sich Max.
Was folgte, waren zwei intensive Trainingseinheiten auf dem Vereinsgelände der Königsblauen – und schließlich die erlösende Nachricht. „Das war einfach komplett surreal. Allein das Probetraining auf dem Schalker Gelände war schon kaum zu fassen“, hat er den Moment immer noch gut vor Augen. „Es dann tatsächlich geschafft zu haben war schon ein sehr cooles Gefühl.“ Im Sommer 2022 wechselte er schließlich in die U14 des FC Schalke 04. Mittlerweile geht der Dülmener in seine fünfte Saison bei den Königsblauen und läuft seit Sonntag für die U19 auf. Dabei musste sich Max von Beginn an gegen starke Konkurrenz behaupten. „Natürlich können dort alle Fußball spielen. Aber ich habe einfach alles gegeben und immer daran geglaubt.“
Seine Fußballkarriere begann Max als klassischer Stürmer. Mit der Zeit veränderte sich jedoch seine Rolle auf dem Platz. Aufgrund seiner Schnelligkeit wurde er zunächst häufiger auf dem Flügel eingesetzt. Heute spielt er überwiegend als Rechtsverteidiger. Doch nur auf Defensive beschränken, das passt nicht zu ihm. „Ich habe immer den Drang nach vorne und möchte das Offensivspiel mitgestalten“, sagt er. Trotzdem legt er dabei großen Wert darauf, seine Defensivaufgaben nicht zu vernachlässigen. Sein großes Vorbild auf dieser Position ist der marokkanische Nationalspieler Achraf Hakimi. „Vom Spielertyp passt er genau zu meiner Art, Fußball zu spielen.“ Neben seiner Geschwindigkeit zählen vor allem seine Athletik, Ausdauer und Robustheit zu seinen größten Stärken.
Wer glaubt, Nachwuchsfußball auf diesem Niveau sei nur „glamourös“, bekommt von Max schnell einen realistischen Einblick. Der Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums verbringt sechs Tage pro Woche auf dem Fußballplatz. Fünf Trainingseinheiten und ein Spiel stehen normalerweise auf dem Programm. Nur mittwochs ist fußballfrei. „Ich habe oft bis 16 Uhr Schule und um 16.30 Uhr ist dann schon der Fahrdienst da. Zuhause bin ich meistens erst gegen 21.30 Uhr.“ Die Zeit im Fahrdienst nutzt er häufig, um für Klausuren oder Vokabeln zu lernen. Seine Tage sind bis ins Detail geplant. „Das ist natürlich schon viel alles, aber es klappt trotzdem ganz gut. Die Schule unterstützt mich dabei wirklich sehr gut!“ Wenn er abends nach Hause kommt, läuft häufig noch die Champions League im Fernsehen. Ansonsten geht es früh ins Bett, denn der nächste Tag wartet bereits. Mittwochs genießt Max die wenigen freien Stunden. Dann stehen meist Freunde und Familie im Mittelpunkt.
Überhaupt spielt sein Umfeld eine zentrale Rolle auf seinem Weg. Ob Eltern, Großeltern oder Freunde – sie begleiten ihn seit Jahren bei nahezu jedem Spiel. Besonders in schwierigen Phasen sei diese Unterstützung unbezahlbar. „Wenn es mal nicht so lief oder nach bitteren Niederlagen bauen sie mich immer wieder auf“, sagt Max dankbar. „Aber auch die Bereitschaft, für Auswärtsspiele etliche Kilometer auf sich zu nehmen, ist nicht selbstverständlich.“ Immer wieder seien seine Eltern oder Großeltern spontan eingesprungen, wenn beispielsweise die Bahn gestreikt habe.
An manchen Wochenenden fährt die Mannschaft nach dem Samstagstraining direkt zu Auswärtsspielen und Max ist erst Sonntagabend wieder zurück in Dülmen. „Ohne meine Familie wäre vieles gar nicht möglich.“
Als kleiner Junge schlug sein Fußballherz übrigens noch für den FC Bayern München. Doch die Jahre auf Schalke haben ihre Spuren hinterlassen. „Ich bin in den Verein hineingewachsen“, erzählt er. Die vielen Stadionbesuche, die tägliche Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum und die wertschätzende Betreuung hätten dafür gesorgt, dass Schalke inzwischen einen besonderen Platz in seinem Herzen einnimmt. Vor allem die Jugendarbeit beeindruckt ihn. „Die Knappenschmiede ist seit Jahren ein etablierter Ort für Talente. Dazu steht Schalke für Tradition und ist einer der größten Vereine Europas.“
Trotz aller Ambitionen bleibt Max bodenständig. Für die Zukunft hat er einen klaren Wunsch. „Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe und von großen Verletzungen verschont werde.“ Was danach komme, werde sich zeigen. Er wolle einfach so lange wie möglich auf diesem Niveau Fußball spielen. Gleichzeitig denkt der Gymnasiast bereits an die Zeit nach der Schule. Noch zwei Jahre liegen bis zum Abitur vor ihm. „Danach könnte ich mir vorstellen, ein Studium zu beginnen.“ Einen Plan B hat der Dülmener also längst in der Tasche.
Und wie beantwortet jemand, der fast sein gesamtes Leben dem Fußball widmet, die wohl berühmteste Frage der Fußballwelt? Messi oder Ronaldo? Für Max gibt es dabei keine Diskussion. „Cristiano Ronaldo.“ Dabei gehe es ihm weniger um Titel oder Statistiken, sondern um die Einstellung des Portugiesen. „Da kann sich jeder eine Scheibe von abschneiden – und das versuche ich auch.“ Vor jedem Spiel hat Max übrigens noch ein kleines Ritual. Auf dem Weg ins Stadion hört er Musik – ganz unterschiedliche Genres. Kurz bevor es auf den Platz geht, folgt dann ein Moment der Ruhe. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Ehrgeiz, Bodenständigkeit und Dankbarkeit, die Max Lennartz auf seinem bisherigen Weg so weit gebracht hat. Und wer weiß: Vielleicht führen ihn die Fußballschuhe seiner Patentante eines Tages noch ein Stück weiter.

