Dülmen. Seit rund 90 Jahren präsentiert sich die Villa Ostrop an der Coesfelder Straße 39 vom Erscheinungsbild weitgehend so wie gegenwärtig. Und das wird das Gebäude auch künftig. Denn Richard Dammann wird mit seinem Architektur-Büro dort einziehen und damit das Haus erhalten.
„Wir werden die Photovoltaikplatten vom Dach nehmen und das Dach neu mit Photovoltaik-Dachpfannen eindecken lassen“, erklärt Richard Dammann. Die Kunststoff-Fenster wurden ausgebaut – eingebaut wurden neue Holzrahmenfenster mit Dreifachverglasung. „Damit greifen wir die Holzfenster im Wohnzimmer auf“, so Dammann. Die Edel-Kratzputz-Fassade ohne Farbanstrich, die seit 90 Jahren die Außenwand des Hauses prägt, wird gesäubert. „Die schadhaften Stellen werden wir natürlich nacharbeiten“, so Dammann.
Damit bleibt ein historisches Gebäude Dülmens gut erhalten. „Ursprünglich errichtet wurde das Haus 1860/1870 im Zuckerbäcker-Stil – also mit zahlreichen Dekorationselementen in der Fassade“, erläutert Richard Damman. Einen Eindruck davon vermittelt eine Glasmalerei im runden Fenster im Treppenhaus des Gebäudes.
Später erhielt das Haus mit Dr. Bernhard Ostrop einen neuen Eigentümer. „Er beauftragte den Architekten, der auch die Kirche in Merfeld gebaut hat, damit, Anbauten an das Haus zu setzen und die Zierelemente draußen am Haus – den Plunder – zu entfernen. Nach außen hin sollte das Haus gemäß der neuen Sachlichkeit gestaltet werden. Damit positionierte sich der Bauherr gegen den NS-Zeitgeist, der das Bauhaus verboten hatte.“ Der praktische Arzt Dr. Ostrop, der bis 1975 praktizierte, hatte im Erdgeschoss ein Wartezimmer, ein Behandlungszimmer und ein Zimmer mit Bestrahlungstechnik. Die anderen Räume im Erdgeschoss waren der Tagesbereich für die Familie – und im Obergeschoss waren ein Badezimmer und mehrere Schlafzimmer, unter anderem für die drei Kinder von Dr. Ostrop. Im Dachgeschoss war Unterkunft für die Hausangestellten.
Im Keller wurde im Anbaubereich eine Tiefgarage eingebaut. „Als Arzt musste man ja auch im Winter mobil sein“, so Richard Dammann. Im Garten steht noch heute ein kleines gemauertes vieleckiges Häuschen. Dieses Entenhäuschen stand an einem Teich, der später zugeschüttet wurde. „Hier im Garten lief früher auch die Tiber her, die dann verrohrt wurde“, so Dammann.
Ursprünglich gehörte auch der heutige Stadtpark An den Wiesen zum Grundstück der Villa Ostrop. Durch Verkauf an die Stadt Dülmen Anfang der 1980er Jahre verkleinerte sich das Grundstück der Villa Ostrop auf rund 2.300 Quadratmeter.
Das Areal wurde gut gepflegt. Fotograf Helmut Kleimann nutzte den Garten für Hochzeitsfotos. Seine Frau, Tochter von Dr. Bernhard Ostrop, hatte die Villa Ostrop geerbt.
Weil die Villa Ostrop im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, diente sie eine Zeitlang auch als Krankenhaus, als das Franz-Hospital im Zweiten Weltkrieg erhebliche Bombardierungs-Schäden davontrug.
26. Juli 11 bis 16 Uhr
Tag der offenen Baustelle
Nun wird die Villa Ostrop also Architektur-Büro.
Dahinter werden, zum Stadtpark hin, zwei neue Gebäude errichtet.
„Jedes der Gebäude erhält drei sehr hochwertige Eigentumswohnungen zwischen 100 und 130 Quadratmetern Größe – der Quadratmeterpreis wird recht weit jenseits der 5.000 Euro liegen“, erklärt Bauherr Martin Dreinemann, der aus Coesfeld Erfahrungen mit solcher Art sehr hochwertiger Immobilien hat. „Die Lage hier ist einmalig“, sagt der 65-jährige Garten- und Landschaftsbauer. Der Baustart ist für das kommende Jahr geplant.
Architekt Richard Dammann plant eine recht zügige Herrichtung der Villa Ostrop. „Ich bin gut zufrieden, wenn ich Ende des Jahres drin bin“, sagt der 59-Jährige, der zu Sonntag, 26. Juli, 11 bis 16 Uhr, zu einem Tag der offenen Baustelle einlädt.

