Dülmen (men). „Halleluja“. Dieser Seufzer entfuhr Bürgermeister Carsten Hövekamp am Mittwoch im Ratssaal beim Pressegespräch zum Thema Fußgänger-und-Radfahrerbrücke Bahnhof Dülmen. Grund für das Aufatmen: Wie Berechnungen und Beurteilungen von Statikern und Prüfstatikern ergeben haben, kann die seit rund fünf Jahren am Bahnhof liegende Fachwerk-Stahlbrücke verwendet werden.
Wenn die Deutsche Bahn im nächsten Jahr – laut Internet – im Zeitraum Februar bis Mai die Strecke Essen-Münster im Bereich Dülmen wegen Straßenbauarbeiten bei Appelhülsen mit einer Sperrpause belegt, soll das rund 200 Tonnen schwere Stahlbauwerk mit einem Tausend-Tonnen-Kran über die Gleise gehoben und auf den seit Jahren fertigen Widerlagern platziert werden. Fest anvisiert hierfür ist der März 2027. Bis dahin wird die Brücke noch zu Ende fertiggestellt: Mit Geländern, Fahrbahnbelag, Fahrdraht-Berührungsschutz und weiterem mehr. Schätzungsweise die Hälfte der in fünf Schichten aufgebrachten Farbe wird zu entfernen sein – teilweise bis aufs Metall –, und für einen dauerhaften Korrosionsschutz wird entsprechende Farbe neu aufgetragen. Dazu wird das Brückengestell mit einem Zelt eingehaust, damit auch bei kalter/nasser Witterung gearbeitet werden kann, so die Erklärungen von Stefan Damen, Brückenfachmann bei der Stadt Dülmen.
Zuvor hatten Bürgermeister Hövekamp, Stadtbaurat Markus Mönter und Erster Beigeordneter Christoph Noelke die jahrelange Historie der Brückenthematik nachgezeichnet: Dass der Stahlbauunternehmer eine Brücke geliefert habe, die den Vorgaben nicht 100 Prozent entsprach. Dass er auch Nachweise und Zertifikate etwa zu Schweißnähten schuldig blieb. Dass er keine Nacharbeiten vorgenommen habe. Dass der Unternehmer in die Insolvenz gegangen sei.
Auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Brücke wurden genannt – unter anderem mit Beweiserhebung zum baulichen Zustand des Stahlbrückenkonstruktion.
Mit Ultraschall und Röntgen wurden Schweißnähte untersucht. Obwohl nicht jede Schweißnaht den Vorschriften entspricht, ergibt die Bauweise der Brücke im Zusammenspiel mit den befundeten Schweißarbeiten eine 100-prozentige Tragfähigkeit der Brücke, so ergaben Gutachten und Neuberechnungen von Statikern und Prüfstatikern.
Auch wenn die Brücke erst Jahre nach Fertigstellung des Bahnhofs eingehoben wird, werden 60 Prozent der ursprünglich ermittelten Kosten der Brücke durch den Fördergeber bezahlt, hieß es bei dem Pressegespräch. Die Mehrkosten durch die Verzögerungen, Gerichtskosten und Nacharbeiten hofft die Stadt Dülmen nach Vorstreckung wiederzubekommen. Denn: Die Arbeitsgemeinschaft (ArGe), die den Auftrag für den Brückenbau bekommen hatte, sei noch juristisch greifbar. Der Stahlbauer sei zwar insolvent, der andere Partner der ArGe jedoch hafte als übrigbleibender Auftragnehmer gesamtschuldnerisch.

