Dülmen. Die Stadt Dülmen schließt mit sofortiger Wirkung das Kolpinghaus. Grund für diesen Schritt: An dem 1951 erbauten Gebäude gibt es baurechtliche und brandschutztechnische Mängel, so dass ein weiterer Betrieb nicht möglich ist. Die Stadt hat am Dienstagabend Vereine und Mieter über den Schritt informiert und erste Lösungsvorschläge unterbreitet
„Das Kolpinghaus ist in die Jahre gekommen und hat das Ende seiner technischen Lebenszeit erreicht – das konnte vor Ort jeder sehen. Nachdem zuletzt bereits Nutzungseinschränkungen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig waren, sind wir jetzt an einem Punkt, an dem ein weiterer Betrieb nach Abstimmung mit den Fachleuten leider nicht mehr zu verantworten ist“, sagt Stadtbaurat Markus Mönter.
Den letztendlichen Ausschlag für die Schließung gab eine am 29. Juni durchgeführte Brandverhütungsschau auf Grundlage des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz NRW (BHKG NRW). Diese Prüfung hatte das Ziel, mögliche brandschutztechnische Defizite aufzudecken und Gefahrenstellen zu bewerten. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse fallen deutlich aus: Festgestellt wurden Mängel, die einen sicheren Betrieb der Veranstaltungsstätte nicht mehr zulassen. „Wir haben einen Betrieb im Kolpinghaus ermöglicht, so lange es vertretbar war. Jetzt aber besteht akuter Handlungsbedarf, das belegen die Ergebnisse der Prüfung eindeutig“, erläutert Mönter.
Neben umfangreichen Maßnahmen, um die Anforderungen des Brandschutzes zu erfüllen, wären auch weitergehende bauliche Arbeiten im Gebäude erforderlich: Beispielsweise sind die Decken in einem so schlechten Zustand, dass eine vollständige Erneuerung notwendig wäre.
Auch die Elektrik im Haus ist aufgrund ihres Alters extrem störungsanfällig – was zuletzt in der vergangenen Woche deutlich wurde. Ausgelöst durch einen Defekt der Elektroverteilung funktionierte im gesamten Gebäude der Strom nicht mehr.
Aufgrund des Alters des Gebäudes sind derartige Sanierungsarbeiten jedoch nicht wirtschaftlich und mit Blick auf die Haushaltssituation der Stadt auch nicht darstellbar. Deshalb prüft die Stadt aktuell, wie mit dem Grundstück und dem Gebäude weiter verfahren werden soll. Eine denkbare Option wäre beispielsweise eine sogenannte Konzeptvergabe, bei der dann potentielle Investoren ihre Pläne für das Grundstück einreichen könnten.
Das Kolpinghaus befindet sich seit 1978 im Eigentum der Stadt. Es wurde zuletzt durch den Schachverein, das PerFlu-Orchester, das plattdeutsche Theater der KLJB sowie durch die Volkshochschule (VHS) genutzt. Der große Saal ist zudem für Veranstaltungen mietbar, ebenso die Kegelbahnen. Zudem findet hier alle zwei Jahre das Kolpingschützenfest statt. Die Stadt hat die betroffenen Vereine am Dienstagabend über die Schließung informiert und auch erste Vorschläge für Ausweichmöglichkeiten unterbreitet. „Für die Vereine ist die Schließung eine immens bittere Nachricht, die sie jedoch mit viel Verständnis aufgenommen haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Gemeinsam möchten wir nun überlegen, wie die Proben, Vorführungen und weiteren Veranstaltungen in anderen Räumlichkeiten und an anderen Orten stattfinden können. Das hat aktuell oberste Priorität“, sagt Bürgermeister Carsten Hövekamp. Nach der ersten Information am Dienstagabend wird es mit den Nutzern jetzt einen fortlaufenden, vertraulichen Dialog geben, um gute Lösungen für die anstehenden Veranstaltungen zu finden.
Das Hauptgebäude des Kolpinghauses wurde 1896 erbaut, 1929 erfolgte der Anbau des Bühnenhauses. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude dann bis auf die Grundmauern zerstört. Der Wiederaufbau begann 1951 an gleicher Stelle. 1963 folgte die Errichtung der Kegelbahn sowie ein Küchenanbau. 1978 ging das Gebäude in das Eigentum der Stadt Dülmen über. Der Parkplatz und die Außenanlagen wurden 1987 angelegt. Im selben Jahr wurde das 1. Obergeschoss zu einer Begegnungsstätte umgebaut.

