Dülmen. Wenn das Thermometer immer höher steigt, vermeiden viele Menschen, schwer körperlich zu arbeiten oder sich sportliche Höchstleistungen abzuverlangen. Viele meiden auch, bei heißem Wetter überhaupt viel draußen zu sein. Da stellt sich die Frage, wie Tiere und speziell Hunde heißes Wetter erleben – und wie man als Hundehalter bei heißem Wetter dem Tier gerecht wird. DÜLMENplus-Redakteur Reimund Menninghaus sprach darüber mit Tierheilpraktikerin und Hundephysiotherapeutin Steffi Seidler.
Aktuell sind die Temperaturen wieder weit über der Marke von 30 Grad Celsius. Was muss ich als Halter oder Halterin eines Hundes angesichts solcher Temperaturen beachten?
Steffi Seidler: Hunden machen hohe Temperaturen genau so zu schaffen wie uns Menschen – und oft sogar noch viel mehr. Denn Hunde können – anders als wir Menschen – ihre Körpertemperatur nicht durch Schwitzen regulieren. Wenn wir schwitzen, kann durch das Verdunsten der Flüssigkeit auf unserer Haut ein kühlender Effekt eintreten und uns vor Überhitzung schützen. Das können Hunde nicht: Sie schwitzen nicht und können Verdunstungsabkühlung nur durch Hecheln erzielen. Gerade einmal an ihren Pfoten können Hunde Schweiß absondern – die dort entstehende Verdunstung und Verdunstungsabkühlung ist jedoch nicht der Rede wert.
Was bedeutet dies für meinen Umgang mit meinem Hund?
Steffi Seidler: Ich muss meinen Hund immer im Auge behalten und mein Verhalten mit ihm nach den heißen Temperaturen richten. Das heißt, ich vermeide, dass sich der Hund zu stark in der Hitze bewegt. Denn dabei kann der Hund überhitzen – und die inneren Organe können Schaden nehmen. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Hund wegen zu viel Bewegung so überhitzt, dass er einen Hitzeschlag erleidet und verstirbt. Das sollte man als Hundehalter immer vor Augen haben. Ein triebstarker Hund bewegt sich einfach. Da muss der Hundehalter darauf achten, dass sich der Hund nicht übernimmt.
Mein Hund bewegt sich aber unheimlich gern.
Steffi Seidler: Am frühen Morgen, wenn die Temperaturen noch nicht so hoch sind, und am späten Abend kann man durchaus Bewegung mit dem Hund unternehmen, denn vor allem abends und nachts sind auch die natürlichen Vorfahren der Hunde, die Wölfe, aktiv. Mittagszeit ist dagegen eigentlich Verdauungszeit und von daher auch wegen dieses Aspekts nicht für Bewegung geeignet. Gemieden werden sollte auf jeden Fall heißer Asphalt. Der ist schlecht für die Hundepfoten und für den Temperaturhaushalt des Hundes. Vom Fahrradfahren mit dem Hund an der Leine im Sommer rate ich weitgehend ab – und bei Temperaturen über 25 Grad Celsius würde ich mit dem Hund vor allem an keinem Bewegungswettkampf teilnehmen.
Was sollte ich sonst noch beachten?
Steffi Seidler: Bei heißem Wetter ist es ganz besonders wichtig, dass Hunde genügend Wasser zum Trinken angeboten bekommen. Das kann man auch spielerisch tun – beispielsweise mit Eiswürfeln oder mit Schleckmatten. Oder man lässt den Hund Leckerchen aus dem Wasser holen. Dann erfolgt die Flüssigkeitsaufnahme unbewusst nebenbei.
Gibt es eigentlich Verhaltensweisen bei Hunden, die darauf hindeuten, dass es ihnen zu heiß ist?
Steffi Seidler: Durchaus gibt es so etwas. So legen sich Hunde, die nach Abkühlung suchen, gerne völlig flach auf den Boden. Wenn man dies sieht, kann man den Hund beim Abkühlen unterstützen und eine Wanne mit Wasser zur Verfügung stellen, in die der Hund springen kann.
Wer einen Hund in einem aufgeheizten Fahrzeug entdeckt, sollte zunächst Ruhe bewahren und die Situation einschätzen. Wirkt das Tier stark erschöpft, hechelt es ungewöhnlich oder reagiert es kaum noch, empfiehlt die Polizei, sofort den Notruf 110 zu wählen und die Lage zu schildern. Bereits auf der Anfahrt versuchen die Beamten häufig, den Fahrzeughalter ausfindig zu machen und telefonisch zu erreichen. Bleibt keine Zeit, auf die Polizei zu warten, kann in einer akuten Notlage auch ein Eingreifen durch Passanten gerechtfertigt sein. Das Einschlagen einer Autoscheibe bleibt zwar grundsätzlich eine Sachbeschädigung. War die Rettungsaktion jedoch notwendig, um das Tier vor einer konkreten Gefahr zu schützen, muss der Helfer in der Regel keine strafrechtlichen Folgen befürchten. Entscheidend ist immer der Einzelfall. Deshalb empfiehlt die Polizei, die Situation möglichst mit dem Handy zu dokumentieren oder Zeugen hinzuzuziehen. Nach einem solchen Einsatz dokumentieren die Beamten genau, in welchem Zustand sich das Tier befand. Gegen den Hundehalter kann – je nach Schwere des Falls – ein Ordnungswidrigkeiten- oder sogar ein Strafverfahren nach dem Tierschutzgesetz eingeleitet werden. Interessant: Nach Angaben der Polizei Coesfeld musste bislang nach Erinnerung der Pressestelle noch kein Hund durch Beamte aus einem überhitzten Auto befreit werden. Zwar gehen immer wieder entsprechende Hinweise ein, häufig können die Halter jedoch rechtzeitig erreicht werden. Zudem verfügen einige moderne Fahrzeuge inzwischen über einen sogenannten Hundemodus, der den Innenraum auch bei abgestelltem Fahrzeug klimatisiert. Dennoch gilt: Im Zweifel lieber einmal zu viel die Polizei informieren als einmal zu wenig.

